Kapitel 2: Polycarbonat oder Acryl?

Polycarbonat oder Acryl: Welche Stegplatte passt besser?

Bei Stegplatten fällt die Materialwahl zwischen Polycarbonat und Acryl. Die technischen Kürzel lauten PC für Polycarbonat und PMMA für Acryl.

Beide Werkstoffe sind leicht, witterungsgeeignet und für lichtdurchlässige Konstruktionen geeignet. Sie unterscheiden sich aber deutlich in der Praxis: Polycarbonat ist zum Beispiel besonders robust gegen Schlagbeanspruchung; Acryl punktet dafür mit einer klaren Optik und höheren Kratzfestigkeit. Auch hinsichtlich Hagelbeständigkeit, Temperaturverhalten, Wärmeausdehnung und chemischer Beständigkeit gibt es Unterschiede. Die verschiedenen Kennwerte lernen Sie hier kennen.

Vorab: Kennwerte hängen stark vom Plattenaufbau, der Plattenstärke und möglichen Beschichtungen ab. Nutzen Sie die Angaben als Richtwerte und prüfen Sie für Ihr Bauvorhaben immer die technischen Eigenschaften.

2.1 Materialwahl – erste Schritte

Die Materialwahl wird einfacher, wenn Sie zuerst die wichtigste Anforderung an die Konstruktion festlegen. Geht es vor allem um ein robustes Dach für exponierte Lagen? Dann spricht viel für Polycarbonat. Soll die Fläche möglichst brillant und glasähnlich wirken? Oder häufig berührt und gereinigt werden? Dann ist Acryl die bessere Wahl.

Die folgende Tabelle ersetzt keine Produktprüfung, bringt Sie aber bei der Entscheidung auf die Spur.

Entscheidungshilfe: Polycarbonat oder Acryl?
Ihre Priorität Material Gründe
Robuste Dachfläche Polycarbonat Sehr hohe Schlagzähigkeit und gute Bruchsicherheit
Klare Optik, maximale Transparenz Acrylglas Sehr hohe Lichtdurchlässigkeit und brillante Wirkung bei klarem Material
Seitenteil, Wandfläche oder häufige Reinigung Acryl Höhere Oberflächenhärte, tendenziell weniger kratzempfindlich
Dunkle Tönung, starke Sonne oder geringe Hinterlüftung Eher Polycarbonat Häufig höhere zulässige Dauergebrauchstemperatur
Kontakt mit kritischen Stoffen Prüfen und testen Beide Kunststoffe können reagieren; Polycarbonat ist oft sensibler für Spannungsrisse

Entscheidungsbaum: Polycarbonat vs. Acryl

Wenn mehrere Anforderungen zusammenkommen, hilft der Entscheidungsbaum. Er führt Schritt für Schritt durch die wichtigsten Kriterien: Schlagbeanspruchung, Kratzrisiko, Lichtwirkung, UV-Schutz, Wärmeausdehnung und chemische Beständigkeit.

Entscheidungsbaum zur Wahl zwischen Polycarbonat und Acryl nach Kriterien wie Hagel, Kratzrisiko, UV-Schutz, Chemie und Montage.

2.2 Polycarbonat und Acryl im Vergleich

Die folgenden Werte stammen aus Datenblättern. Sie zeigen die Richtung, ersetzen aber keine Produktangaben. Denn: Zusätzlich beeinflussen die Kammergeometrie, Stegabstände und die Plattenstärke, wie stabil, dämmend oder lichtdurchlässig die Ausführung tatsächlich ist.

Wichtig ist deshalb nicht nur das Material. Es zählt das Zusammenspiel aus Material, Aufbau, Stärke, Beschichtung und Montagesystem.

Richtwerte aus Datenblättern: Polycarbonat und Acryl
Kriterium Polycarbonat Acryl Bedeutung für die Praxis
Schlagzähigkeit und Hagelbeständigkeit Sehr hoch, teilweise „kein Bruch“ in Standardprüfungen Deutlich niedriger als bei Polycarbonat Polycarbonat ist oft die robustere Wahl bei Hagel und Schlag
Lichtdurchlässigkeit ca. 86 % als Richtwert ca. 92 % bei 3 mm als Richtwert Acryl wirkt oft brillanter; die Mehrsteg-Geometrie reduziert den Wert jeweils
Wärmeausdehnung, linear ca. 0,065 mm/m·K ca. 0,07 bis 0,08 mm/m·K Dehnfugen und passende Befestigung sind Pflicht; bei Acryl meist mit etwas mehr Spiel
Wärmeleitfähigkeit ca. 0,20 bis 0,21 W/m·K ca. 0,18 bis 0,19 W/m·K Unterschiede klein; die Dämmwirkung bei Stegplatten kommt vor allem vom Luftpolster und Mehrkammeraufbau
Dauergebrauchstemperatur Meist um 115 bis 125° C Häufig um 70 bis 90° C Polycarbonat toleriert Hitze oft besser; relevant bei dunklen Tönungen und starker Sonne
Oberflächenhärte und Kratzfestigkeit Tendenziell niedriger, daher kratzempfindlicher Tendenziell höher Acryl ist im Alltag oft pflegeleichter, wenn Berührungen und Kratzer ein Thema sind
UV-Schutz und Witterung UV-Schutzschicht oder UV-Stabilisierung wichtig bei Außenanwendung Oft sehr gute Witterungsbeständigkeit UV-Seite beachten; bei Polycarbonat ist falsche Montage besonders kritisch
Chemische Beständigkeit Häufig eingeschränkt, vor allem bei Lösungsmitteln und Weichmachern Ebenfalls eingeschränkt, vor allem bei Lösungsmitteln Dichtstoffe, Reiniger und Sprays immer auf Verträglichkeit prüfen

2.3 Schlagzähigkeit und Hagelbeständigkeit

Polycarbonat ist sehr schlagzäh. In Datenbanken wird die Kerbschlagzähigkeit häufig als „kein Bruch“ angegeben. Deshalb gelten Stegplatten aus Polycarbonat im Außenbereich oft als beste Option, wenn eine hohe Hagelbeständigkeit gefragt ist.

Woran Sie Hagelbeständigkeit in der Praxis festmachen

  • Material und Aufbau: Mehrkammerplatten verteilen punktuelle Lasten anders als massive Platten. Dickere Platten und mehr Stege sind meist robuster.
  • Unterkonstruktion: Zu große Sparrenabstände erhöhen die Durchbiegung und damit das Risiko von Rissen oder Ausbrüchen.
  • Befestigung und Profile: Zu stramm geklemmte Platten oder fehlendes Dehnungsspiel erhöhen die Spannung im Material.

Acryl ist ebenfalls widerstandsfähig, aber in der Regel spröder als Polycarbonat. Bei starkem Hagel oder punktuellen Schlägen, etwa durch herabfallende Äste oder einen Leiterstoß, ist das Risiko für Risse oder Brüche tendenziell höher. Das gilt besonders bei dünnen Platten und ungünstigen Unterkonstruktionen.

Tipp: Bei exponierten Lagen sind die Kammerstruktur der Platte sowie die Lattenstärke und Sparrenabstände der Unterkonstruktion mindestens genauso wichtig wie die Frage, ob Polycarbonat oder Acryl verwendet wird.

2.4 Lichtwirkung, Optik und Oberflächen

Wenn maximale Helligkeit und eine glasähnliche Optik im Fokus stehen, spielt die Lichtdurchlässigkeit eine große Rolle. Hier kommt das sogenannte Acrylglas zum Zug; der optische Eindruck von Acryl liegt näher an Glas als bei vielen anderen Kunststoffen.

  • Acryl: Erreicht bei klaren Platten eine sehr hohe Lichtdurchlässigkeit. Als Richtwert für 3 mm Modelle gelten etwa 92 %.
  • Polycarbonat: Liegt bei klaren massiven Platten typischerweise etwas darunter. Der Richtwert beträgt rund 86 %.

Merke: Glasklar wirkt oft heller und transparenter, kann aber stärker blenden. Diffusionsstarke, opale oder strukturierte Oberflächen verteilen Licht gleichmäßiger. Das ist besonders für Gewächshäuser interessant.

Diagrammvergleich Lichtwirkung: glasklar mit gebündelten Lichtstrahlen und Hotspots im Vergleich zu opaler oder strukturierter Oberfläche mit gleichmäßig gestreutem Licht.

Bei Mehrstegplatten sinken die Werte in der Praxis zusätzlich, weil Stege und Kammern Licht streuen und reflektieren. Um Blendung zu reduzieren oder die Wärmebelastung zu senken, werden deshalb häufig opale, weiße oder getönte Varianten verwendet.

In Gewächshäusern kann eine diffuse Oberfläche, zum Beispiel eine Eiskristall-Struktur, helfen, Licht gleichmäßiger zu verteilen.

Tipps zur Farb- und Oberflächenwahl

  • Glasklar: Bedeutet maximale Sicht und viel Licht, aber auch mehr Blendung und eine bessere Sicht auf Schmutz.
  • Opal oder Weiß: Heißt mehr Diffusion, weniger Blendung und subjektiv ein oft angenehmeres Licht, dafür geringere Durchsicht.
  • Bronze oder Anthrazit: Führen zu stärkerer Abdunkelung. Je nach Produkt kann auch der Wärmeeintrag beeinflusst werden.
  • Struktur, zum Beispiel Eiskristall: Streut Licht und kaschiert optisch Schmutz bzw. kleine Kratzer.

2.5 Kratzempfindlichkeit und Reinigung

Kratzfestigkeit klingt nebensächlich, doch für die Nutzung ist die Kratzempfindlichkeit ein bedeutsames Thema: Auf einem Terrassendach sammeln sich Staub, Pollen, Laub und anderes Pflanzenmaterial. Werden die Partikel trocken verrieben, wirken sie wie Schleifmittel. Bei Seitenteilen und Wandflächen kommt hinzu, dass die Oberfläche häufiger berührt wird, etwa durch Gartenmöbel, Kinder, Haustiere oder beim Reinigen.

Polycarbonat wird im Materialvergleich als kratzempfindlicher beschrieben. Acryl besitzt eine höhere Oberflächenhärte und gilt deshalb als pflegeleichter. Das bedeutet nicht, dass Acryl unempfindlich ist. Auch Acrylplatten können verkratzen. Der Unterschied liegt eher darin, wie schnell Spuren entstehen und wie deutlich sie sichtbar werden.

Warum Kratzer auf klaren Platten stärker auffallen

Neben dem Material spielt die Oberfläche eine große Rolle. Auf glasklaren Platten fallen Kratzer durch Reflexionen, Gegenlicht und Schmutzspuren deutlicher auf. Opale oder strukturierte Oberflächen kaschieren feine Spuren besser, weil sie das Licht streuen und weniger direkte Durchsicht bieten.

Zwei nebeneinanderliegende Fotos: links glasklare Doppelstegplatte mit sichtbaren Kratzern, rechts opale Doppelstegplatte mit ähnlichen Kratzern, die weniger auffallen.

Reinigung ohne unnötige Kratzer

Die wichtigste Regel lautet: nicht trocken reiben. Grober Schmutz sollte zuerst mit viel Wasser gelöst werden. Danach reinigen Sie die Fläche mit einem weichen Tuch oder Schwamm und einer milden Seifenlösung. Abschließend mit klarem Wasser nachspülen, damit keine Rückstände antrocknen.

Tabu sind Scheuermilch, abrasive Pads, harte Bürsten und lösemittelhaltige Reiniger wie Aceton oder Nitroverdünnung. Bei Reinigern mit ungeklärter Verträglichkeit ist ein Test an unauffälliger Stelle sinnvoll. Maßgeblich bleiben auch hier die Hinweise des Herstellers.

Tipp: Entfernen Sie regelmäßig Laub, Pollen und andere Partikel. Je länger Schmutz auf der Fläche bleibt, desto größer ist das Risiko, dass er bei der nächsten Reinigung wie ein Schleifmittel wirkt.

2.6 Temperaturverhalten und Wärmeausdehnung

Sowohl Polycarbonat als auch Acryl dehnen sich bei Wärme deutlich aus. Das ist bei Kunststoffplatten normal, muss aber bei der Montage berücksichtigt werden. Fehlt das nötige Bewegungsspiel, können knackende Geräusche, undichte Anschlüsse oder Spannungsrisse entstehen. Besonders kritisch wird es, wenn chemische Einflüsse durch Reiniger, Dichtstoffe oder Sprays dazukommen.

Als Richtwert für die lineare Wärmeausdehnung gilt: Polycarbonat liegt bei etwa 0,065 mm pro Meter und Kelvin. Acryl liegt mit 0,07 bis 0,08 mm pro Meter und Kelvin etwas höher.

Beispiel: Bei einer 3 m langen Platte und einer Temperaturdifferenz von 40 K ergibt sich bei Polycarbonat eine Längenänderung von rund 7,8 mm. Bei Acryl können es rund 9,6 mm sein. Diese Werte wirken klein, sie sind aber bei Profilen, Wandanschlüssen und Bohrungen relevant.

Infografik zur Wärmeausdehnung: Richtwerte für Polycarbonat und Acryl, Beispielrechnung der Längenänderung bei Temperaturwechsel sowie Hinweise zu Dehnfugen, Bohrlochspiel und Profilführung.

Fixpunkt, Gleitpunkt und Dehnspiel

Ein Fixpunkt hält die Platte an einer definierten Stelle, ein Gleitpunkt erlaubt Bewegung bei Temperaturwechsel. Bei Stegplatten müssen Sie dem Prinzip höchste Aufmerksamkeit schenken, damit diese in den Montageprofilen arbeiten können.

Wenn eine Platte an zu vielen Stellen fixiert wird oder das Profil zu stramm klemmt, baut sich Spannung auf. Das kann zu Geräuschen, Undichtigkeiten oder in Kombination mit Chemikalien zu Spannungsrissen führen. Deshalb dürfen Bohrungen bei Verschraubung nicht press ausgeführt werden. Bei den meisten Systemen wird ohnehin nicht durch die Platte gebohrt, sondern über Profile geklemmt.

2.7 UV-Schutz und Alterung

UV-Strahlung gehört zu den zentralen Alterungsfaktoren für Baustoffe im Außenbereich. Sie kann Kunststoffe verspröden, vergilben oder die Oberfläche anrauen. Deshalb sollten Sie bei Stegplatten immer prüfen, wie der UV-Schutz ausgeführt ist und welche Seite nach außen gehört.

Bei Polycarbonatplatten ist der UV-Schutz meist einseitig aufgebracht. Diese Seite muss zur Wetterseite zeigen. Die Kennzeichnung erfolgt über eine Schutzfolie, Bedruckung oder Markierung am Plattenrand. Acryl ist höchst witterungsbeständig. Trotzdem kann es auch hier Varianten mit definiertem UV-Schutz oder weiteren Funktionsschichten geben.

Für beide Materialien gilt daher: Herstellerangaben lesen und die Kennzeichnung beachten – eine falsch montierte UV-Seite kann die Alterung deutlich beschleunigen.

Hinweis: Schutzfolien dienen dem Transportschutz. Entfernen Sie diese erst nach der Montage, aber nicht erst nach Wochen. Sonst können sich Klebereste einbrennen.

2.8 Brandverhalten nach EN 13501

Auch das Brandverhalten ist bei Stegplatten produktabhängig. Es lässt sich nicht pauschal aus dem Material ableiten.

Für Bauprodukte wird das Brandverhalten in Europa nach EN 13501-1 klassifiziert. Die Angabe findet sich in den Herstellerunterlagen oder im Datenblatt. Vereinfacht gesagt reichen die Klassen von A1 und A2 für nicht brennbare Baustoffe bis F für nicht klassifizierte Produkte.

Ergänzend können Angaben zur Rauchentwicklung und zu brennendem Abtropfen oder Abfallen genannt werden. Die Zusatzangaben werden mit s1 bis s3 bzw. d0 bis d2 ausgewiesen. Sie sind zum Beispiel bei Überdachungen im Grenzbereich wichtig, etwa bei Nachbarschaft, Fluchtwegen oder Unterständen. Die Relevanz hängt vom Bauvorhaben ab.

Worauf Sie bei der Brandklasse achten sollten

Für Stegplatten aus Kunststoff gibt es keine Standardklasse. Die Einordnung steht unter anderem mit der Materialrezeptur, Dicke und möglichen Zusätzen in Zusammenhang. Suchen Sie deshalb in den Herstellerangaben nach der Klassifizierung nach EN 13501-1.

Für Projekte mit erhöhten Anforderungen gilt: Vorgaben aus der Landesbauordnung oder dem Brandschutzkonzept beachten und im Zweifel fachlich abklären.

Tipp: Verlassen Sie sich nicht auf die älteren Klassifikationen B1 und B2, sie haben einen nationalen Hintergrund.

2.9 Chemische Beständigkeit

Chemische Beständigkeit ist häufig erst dann ein Thema, wenn bereits Schäden sichtbar sind. Dabei können ungeeignete Reiniger, Dichtstoffe, Klebebänder oder Sprays erhebliche Probleme verursachen. Typische Folgen sind Spannungsrisse oder Trübungen.

Kritisch ist die Kombination aus mechanischer Spannung und chemischer Einwirkung. Zu enge Bohrungen, zu stramme Klemmungen oder ungeeignete Dichtstoffe können zunächst unauffällig bleiben. Nach Tagen oder Wochen zeigen sich dann Mikrorisse, Trübungen oder längere Risse.

Problemstoffe rund ums Dach

Zu den typischen Risikostoffen gehören Lösungsmittel wie Aceton, aromatische Kohlenwasserstoffe oder Benzin. Auch Alkohol kann – je nach Werkstoff und Spannung – problematisch sein. Kritisch sind außerdem Dichtstoffe, Kleber, PVC-Folien, bestimmte Klebebänder, Sprays, Farben und Lacke.

Nicht jeder dieser Stoffe verursacht automatisch Schäden. Entscheidend sind das Material, die Spannung im Bauteil, Kontaktzeit und Konzentration. Deshalb sollten Beständigkeitslisten, Herstellerangaben und Freigaben immer im Kontext betrachtet werden.

Verträglichkeit besser vorher prüfen

Wenn Sie einen Reiniger, Dichtstoff oder ein Klebeband nicht sicher einschätzen können, testen Sie das Produkt vorab an einer unauffälligen Stelle. Tragen Sie es so auf, wie es später verwendet werden soll, und beobachten Sie die Stelle einige Tage. Bei Trübung, Rissen oder klebrigen Rückständen sollte das Produkt nicht eingesetzt werden.

2.10 Empfehlungen für klassische Anwendungsfälle

Die Materialwahl lässt sich nicht allein aus dem Einsatzort ableiten:

  • Ein Terrassendach kann sonnig, schattig, exponiert oder windgeschützt liegen.
  • Ein Gewächshaus braucht je nach Nutzung maximale Helligkeit oder eher diffuse Lichtverteilung.
  • Ein Seitenteil kann eine dekorative oder funktionelle Verkleidung sein. Entscheidend ist daher immer die konkrete Belastung.

Terrassendach: Robustheit, Licht und Komfort abwägen

Bei Terrassendächern treffen mehrere Anforderungen zusammen. Die Fläche soll hell wirken, Regen abhalten, im Sommer nicht unnötig aufheizen und möglichst dauerhaft klar bleiben. Exponierte Lagen sprechen häufig für Polycarbonat, weil Hagel, Äste und Schlagbeanspruchung besser abgefangen werden. Wenn die Optik im Vordergrund steht und das Hagelrisiko überschaubar ist, kann Acrylglas die passendere Wahl sein.

Für den Sommerkomfort lohnt sich ein Blick auf Farbe und Oberfläche. Glasklar bringt viel Licht, kann aber blenden und stärker aufheizen. Opale, weiße, getönte oder sonnenreflektierende Varianten können angenehmer wirken.

Gewächshaus: Licht, Kondensat und Lüftung zusammen denken

Im Gewächshaus ist nicht nur die Lichtmenge entscheidend, sondern auch die Lichtverteilung. Diffuse Oberflächen können Pflanzen gleichmäßiger belichten und harte Schatten reduzieren. Polycarbonat ist robust und eignet sich gut als Allround-Material. Acryl bietet sehr gute Transparenz und eine gute Alterungsbeständigkeit.

Mindestens genauso wichtig wie das Material sind die Kondensatführung, der Stirnseitenabschluss und die Lüftung. Feuchtigkeit muss kontrolliert ablaufen und abtrocknen können. Bei Reinigern oder Desinfektionsmitteln sollte außerdem die chemische Beständigkeit geprüft werden.

Seitenteil: Kratzrisiko realistisch einschätzen

Bei Seitenteilen und Wandflächen ist die mechanische Belastung oft anders als beim Dach. Die Fläche wird häufiger berührt, gereinigt oder durch Gegenstände gestreift. Deshalb kann Acryl hier im Vorteil sein, wenn Kratzfestigkeit und klare Optik wichtig sind.

Tipp: Beim Schallschutz sollte man realistisch bleiben. Die Wirkung hängt stärker von Masse, Aufbau, Fugen und Anschlüssen ab als vom Material. Für echten Schallschutz sollten Sie die ganze Konstruktion prüfen und nicht allein die Platte bewerten.

So treffen Sie eine sichere Entscheidung

  1. Anforderungen priorisieren: Was muss die Platte vor allem leisten?
  2. Produktdaten prüfen: UV-Schutz, Brandklasse, Temperaturverhalten und chemische Beständigkeit beachten.
  3. Montage mitdenken: Ausdehnung, Profile, Dichtstoffe und Zubehör müssen zum Material passen.
  4. Unsicherheiten ausschließen: Muster, Datenblatt, Fachberatung oder Verträglichkeitstest nutzen.

2.11 Entscheidungshilfe herunterladen

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Philip Kullmann, Geschäftsführer von meinbaustoffversand.de

Philip Kullmann

Geschäftsführer und gelernter Tischler · meinbaustoffversand.de

Tischler-Ausbildung · mehr als 13 Jahre Baustoffhandel · eigene Montagepraxis · enger Austausch mit Plattenherstellern.

Zuletzt aktualisiert: 15.05.2026 · Mehr über den Autor

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